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Stress release: Viniyoga dynamisch und sanft

Eine These zum Start: In kaum einer anderen Yogarichtung machen sich Yoga Lehrende so viele Gedanken zu einem sinnvollen, stressreduzierenden Aufbau von Yogastunden wie im Viniyoga. Mit meinem Hintergrund versuche ich, jeweils zumindest grundlegende Gedanken zu einer sinnvollen Abfolge von Positionen (Asanas), Atemtechniken (Pranayama) sowie Meditationen in ein ganzheitlich stimmiges Programm einfliessen zu lassen. Gerade wenn es darum geht, unser System herunterzufahren und zu einen entspannten Zustand zu finden, sind ein paar Gedanken aus meiner Sicht besonders wichtig.



Persönlich überrascht es mich manchmal, dass gerade im Yoga viel in die Vergangenheit geschaut wird. Das Wissen zu Yoga hat eine lange Tradition und vieles was heute vermittelt wird, wurde mehr oder weniger reflektiert aus anderen Kulturkreisen übernommen. Mir persönlich ist es wichtig, dass aktuelle Erkenntnisse beispielsweise aus den Bewegungswissenschaften, der Atemtherapie oder neuste Erkenntnisse bezüglich Meditation in Yogastunden einfliessen. Unverzichtbar sind diese neusten Erkenntnisse in Yoga Komplementärtherapien. Ich bin der Meinung, dass wir die Schätze der Vergangenheit - und diese sehe ich insbesondere in der Yoga Philosophie - weitertragen dürfen. Bezüglich neuen anatomischen Erkenntnissen gilt es aber vielleicht umso wachsamer zu sein.

 

Sanft dynamisch

 

Persönlich fand ich dynamische Abläufe in der Vergangenheit nach einem kopflastigen Tag im Büro anstrengend und sie kosteten mich manchmal einige Überwindung. Aber gerade dann taten sie eben auch besonders gut. Ich lege nicht nur deshalb in meinen Stunden Wert auf dynamisches Üben. Vielmehr weil dies aus diversen Gründen Sinn macht:

 

  • Dynamisches Üben eröffnet die Möglichkeit, sich Schrittweise dahin zu bewegen, wohin die Person gehen möchte. Wie angetönt sanft und so dass der Körper sich an die neue Position herantasten kann.

  • Genauso der Geist: Wenn wir sanft dynamisch üben, können wir uns einer Position auch geistig "annähern" und mit Achtsamkeit wahrnehmen wie weit die Position mit einem Wohlgefühl eingenommen werden kann. Wenn wir davon ausgehen, dass wir ohne Verspannungen oder uns zu quälen üben, ist die Dynamik als Vorbereitung auf Positionen ein Muss.

  • Dynamische Üben hilft, durchlässiger zu werden. Das heisst, dass es die Gelegenheit bietet, Aufgestautes in Körper und Geist wieder zu lösen. Das gelingt auch, weil durch Bewegung die Energie im System zum Fliessen kommt.

 

Ein wunderbarer Indikator wie lange Statik geübt wird

 

Wenn die Dynamik vorbereitend ihren Dienst geleistet hat, darf in einer Yoga-Position verweilt werden. Wie lange aber? Da gibt es aus meiner Sicht wunderbare Indikatoren: Der Atem sowie der Geist. Fliessen diese und ist der Geist ganz dabei, dann darf die Position ruhig einige Atemzüge gehalten werden. Sobald Unwohlsein, Enge oder gar Schmerzen auftauchen, wird die Position aufgelöst und durch dynamische Abläufe ausgeglichen.

 

Gerade so sanft?

 

Bezüglich Intensität von Yogapraxen finden in meinen Stunden oder Yoga Komplementärtherapien immer mal wieder Gedankenaustausche statt. Oftmals ist es für Personen neu bzw. wahrscheinlich in Vergessenheit geraten, dass auch ohne Leistungsorientierung und/oder Schmerz geübt werden darf. 

 

Einige haben direkt Zugang zum sanften Üben. Für andere ist es gar nichts. Ob das Sanfte einem liegt, kann von der Konstitution, den persönlichen Vorlieben, dem Alter oder dem aktuellen Befinden abhängen. Ich kann mich daran erinnern, wie ich damals Respekt davor hatte in Indien die Yogalehrerinnen-Ausbildung zu starten. Ich habe körperlich geübt "wie verrockt" um dort festzustellen, dass es überhaupt nicht um einen fitnessähnlichen Yoga geht und Yoga sanft geübt wurde. Vielmehr lag für mich die Herausforderung darin, mal gut eine halbe Stunde, Stunde zu meditieren und den Geist etwas zur Ruhe zu bringen. Dabei habe ich viel über mich lernen dürfen. Und danach in den Weiterbildungen in der Schweiz noch vielmehr.

 

Mittlerweile überzeugt mich die These aus dem Yoga Sutra, dass Positionen laut Yogaweg einen Einstieg bilden. Der Atem sowie die Meditationen sind in den nächst höheren Stufen angesiedelt. Je sanfter und ruhiger, desto anspruchsvoller. Wenn du regelmässig übst, wirst du vielleicht erkennen, dass Regelmässigkeit viel wichtiger ist, als sehr intensiv zu üben. Ich bin überzeugt, dass wer sanft üben und den Mehrwert darin spüren kann, auf einem wunderbaren Weg ist.


Hast du eine andere Meinung ? Ich freue mich auf Kommentare oder Rückmeldungen via Formular.


Weitere Links und Literatur:

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